Die Stadt Wien verfolgt das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2040 und setzt sich seit Jahrzehnten gegen Atomenergie ein. Die Wiener Umweltanwaltschaft hat in diesem Zusammenhang eine Studie des Forum Wissenschaft und Umwelt zu sogenannten „Accelerator Driven Reactors“ (kurz ADR) begleitet. Finanziert wurde die Arbeit von der Stadt Wien – Umweltschutz (MA 22).
Weltweit wird Atomkraft derzeit fälschlicherweise als Beitrag zum Klimaschutz beworben. Neue Reaktorkonzepte sollen bestehende Probleme lösen. Dazu zählen auch ADR.
Die Studie zeigt jedoch deutlich: ADR sind keineswegs eine neue Erfindung. Die Grundideen reichen bis in die 1950er Jahre zurück. Das Konzept basiert darauf, die nukleare Kettenreaktion nicht selbstständig im Reaktorkern ablaufen zu lassen, sondern durch einen externen Teilchenbeschleuniger aufrechtzuerhalten. Dadurch arbeitet der Reaktor „unterkritisch“, was bestimmte Sicherheitsvorteile bringen kann. Gleichzeitig entsteht jedoch ein hochkomplexes System aus Beschleuniger, Spallationsquelle (Neutronenquelle), Reaktor und Kühlsystem.

Trotz jahrzehntelanger Forschung existiert weltweit bis heute kein betriebsfähiger Demonstrationsreaktor. Zwar laufen zahlreiche Forschungsprojekte, doch viele wurden eingestellt, in der Umsetzung aufgeschoben oder befinden sich noch immer in der Planungsphase. Das international bekannteste Vorhaben, das belgische Projekt MYRRHA, kämpft seit Jahren mit Verzögerungen und Finanzierungsproblemen. Eine Fertigstellung ist frühestens in den 2030er Jahren vorgesehen.
Ein zentraler Befund der Studie lautet: selbst wenn diese Technologie eines Tages einsatzfähig wäre, käme sie für wirksamen Klimaschutz zu spät. ADR können daher keinen relevanten Beitrag zur raschen Reduktion von Treibhausgasen leisten.
Die gesamte Studie ist hier einsehbar.
© Grafik: C.Pistner
