Seit 1972 feiern über 150 Staaten gemeinsam am 5. Juni den Weltumwelttag. Über den ganzen Globus verteilt, soll an diesem Tag ein Zeichen für den verantwortungsvollen und ressourcenschonenden Umgang mit unserem Planeten gesetzt werden. Der diesjährige Weltumwelttag steht dabei ganz im Zeichen des Klimaschutzes.
Der menschengemachte Klimawandel und seine Folgen haben in den letzten Jahren immer dramatischere Formen angenommen. Unsere Welt wird stetig heißer: Trockenheit und Extremwetterereignisse nehmen weiter zu. Während dadurch Tiere und Pflanzen ihre ursprünglichen Lebensräume verlieren oder sich neuen, invasiven Arten ausgesetzt sehen, verlieren oft auch wir Menschen durch diese Entwicklung Nahrung, Häuser und Lebensgrundlage.
Ein Grund, warum sich unser Klima so rasch verändert, ist der immense menschliche Bedarf an Energie. In unserm Alltag verbrauchen wir täglich CO2-emittierende fossile Ressourcen wie Öl und Gas: zum Heizen oder Kühlen von Wohnräumen, beim (Online-)Shopping, für Autofahrten, bei der selbstverständlich gewordenen Nutzung von Smartphones und Computern oder beim Einsatz von KI in vielen Lebensbereichen. Diese Emissionen befeuern in der Folge den sogenannten Treibhauseffekt und damit die Erwärmung und Intensivierung des Klimawandels.
Die Lösung: Statt fossilen Energien nutzen wir künftig Energie aus erneuerbaren Quellen, wie Wind-, Wasserkraft oder Sonnen-Energie. Um jedoch ideale Bedingungen für Mensch und Natur zu schaffen, muss die Klimakrise zugleich mit der zweiten großen Krise unserer Zeit bewältigt werden, der Biodiversitätskrise. Beide Krisen beeinflussen einander und müssen dementsprechend zusammenhängend betrachtet werden. Klimaschutz ist auch gleichzeitig Biodiversitätsschutz und umgekehrt. Die Wiener Umweltanwaltschaft setzt sich dafür ein, dass beim dringend notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien auch die Artenvielfalt bewahrt wird.
Die Kraft der Sonne
In Wien wird vor allem die Kraft der Sonne genutzt. Bis 2030 soll die PV-Leistung in Wien auf 800 MWp ausgebaut werden – damit könnte ca. ein Viertel der Wiener Haushalte versorgt werden (Wiener Sonnenstrom-Offensive). Während Standorte auf versiegelten Flächen bzw. an Häusern und Bauwerken zumeist unproblematisch sind, können neue PV-Anlagen im Grünland zahlreiche Auswirkungen auf die dort vorkommenden Artengemeinschaften haben. Immer wieder wird bei PV-Anlagen auf Freiflächen damit geworben, dass die Anlagen besonders vorteilhaft für die Artenvielfalt sein würden.
Diese Aussage sollte kritisch gesehen werden. Denn um einen naturverträglichen Ausbau dieser Energieform umzusetzen, sind zahlreiche Faktoren zu beachten. PV-Elemente in der Freifläche sind, so wie Gebäude und Co, ein Fremdkörper für die Natur. Aber welche Auswirkungen kann eine PV-Anlage nun konkret auf ihre Umwelt haben? Eine Studie von Gomez-Catasus et al. aus dem Jahr 2024 zeigte: Durch ihre Form und Struktur beeinflussen PV-Anlagen auf Grünflächen die Ökologie von Lebensräumen auf zwei Ebenen: der Landschaftsebene und der Mikrohabitat-Ebene.
PV-Anlagen und Landschaften
Landschaften können sich durch PV-Anlagen nachhaltig verändern. Da die Paneele aus technischen Gründen sehr dunkel ausgeführt sein müssen, unterscheiden sie sich stark von der Reflexionsstrahlung einer natürlichen Grünfläche. Durch diese vermehrte Hitzeabstrahlung der PV-Elemente kommt es übergeordnet zu einem Hitze-Insel-Effekt, welcher für viele vulnerable Arten eine Barriere darstellen kann. PV-Elemente dürfen bei korrekter Anwendung selbstverständlich nicht beschattet werden. Dies führt an Standorten von PV-Anlagen zur Entfernung von höherer Vegetation und Gehölzen. Deren fehlende Kühleffekte beeinflussen wiederum das lokale Klima auf der Fläche.
In Wien sind PV-Anlagen außerdem komplett eingezäunt. Während hier durch die Wahl der richtigen Maschenbreite Zäune für Kleintiere passierbar sein können, sehen sich größere Säugetiere mit unüberwindbaren Hindernissen konfrontiert. Es kommt somit zu einem Verlust von Lebensräumen und einer potenziellen Zerschneidung von Wanderrouten. Auch die Erholungswirkung von Landschaften wird durch PV-Anlangen beeinträchtigt.
PV-Anlagen und Mikrohabitate
Die Paneele wirken ähnlich wie ein Schirm auf ihre unmittelbare Umgebung: Die überdachte Fläche wird nicht beregnet, verdunstende Feuchtigkeit kann schlechter aufsteigen. Ähnliches gilt auch für den Schattenwurf. Je nach Standort und Ausrichtung können die Paneele auch Wind entweder verstärken oder wie eine Wand gänzlich abblocken. In den Reihen der Paneele entstehen somit Streifen aus exponierter und überdeckter Vegetation, welche sich mikroklimatisch stark unterscheiden. Gemeinsam mit der daraus resultierenden veränderten chemischen Zusammensetzung der jeweiligen Böden dieser Bereiche, ergibt sich auch hier eine Barriere-Wirkung für besonders sensible Arten.
Gleichzeitig kann die künstliche Licht- und Schallreflexion der glänzenden Paneele von manchen Fledermaus-, Insekten- und Vogelarten mit einer Wasserfläche verwechselt werden – das hat Folgen für die Eiablage, die Nahrungssuche oder kann zu tödlichen Kollisionen führen.
Weitere Forschung nötig
Um die Auswirkungen dieser Effekte speziell in naturnahen Flächen abschätzen zu können, benötigt es weitere Forschung und Langzeitdaten. Noch lässt sich nicht abschätzen, auf welche Weise genau bereits etablierte Lebensräume und deren Landschaftshaushalt durch die Präsenz von PV-Modulen verändert werden. Sicher ist: Der Standort wird nachhaltig verändert. Neben dem Landschaftshaushalt sind auch die Landschaftsgestalt sowie die Erholungsfunktion betroffen.
Aus diesem Grund setzt sich die Wiener Umweltanwaltschaft dafür ein, dass PV-Anlagen vorrangig auf Gebäuden und auf bereits versiegelten Flächen realisiert werden.
Energie sparen, bedeutet Klima und Biodiversität schützen
Dem menschlichen Mehrbedarf an Energie und dessen Auswirkungen auf unsere Artenvielfalt kann jedoch nicht nur durch die Optimierung von Energieträgern begegnet werden. Um eine echte Transformation zu mehr Nachhaltigkeit zu schaffen und Klima- und Biodiversitätskrise gleichzeitig zu meistern, müssen wir Menschen unser Verhalten ändern und unseren Energiebedarf senken. Hier kann jede*r Einzelne in seinem bzw. ihrem persönlichen Bereich beginnen Energie effizient und sparsam zu nutzen. Wer verstärkt öffentliche Verkehrsmittel benutzt, lokal einkauft und Technologie mit Bedacht einsetzt, leistet einen wichtigen Beitrag, um unseren Energieverbrauch auf lange Sicht zu optimieren und damit auch die lokale Natur zu bewahren. Besonders energieintensiv und umweltbelastend sind außerdem bewaffnete Konflikte – sich für Frieden einzusetzen, ist daher auch ein Beitrag zum Umweltschutz.
© Fotos: Bild 1: Katharina Kummerer, Bild 2: Wikimedia Commons
